Fluch und Segen

ACHTUNG: Dieser Artikel enthält mittelschwere Computersprache und kann bei einigen Menschen Anstoß erregen. Okay, hauptsächlich bei denen die wenig oder gar nichts mit Computern zu tun haben


Jeder der sich bei der Wahl seines Betriebssystems für Windows entschieden hat, kennt das wohl mächtigste - und gleichzeitig gefährlichste - Instrument für systemweite Einstellungen: die Systemregistrierung (oder kurz: Registry). Hier sollte (wenn es nach Microsoft geht) alles drinnen stehen, was für den reibungsfreien Betrieb des Systems erforderlich ist. Angefangen von vitalen Dingen wie Treibern, Services und Systemprogrammen, bis hin zur "regulär" installierten Software kommt hier das gesamte Betriebssystem an einer Stelle zusammen. Kein Wunder, ist es doch die zentrale Konfigurationsdatei. Andere Betriebssysteme nutzen hier viele verteile Dateien, die meist textbasiert sind und es Administratoren im Notfall erlauben, mit einer minimalen Rettungsumgebung (Basissystem plus Texteditor) doch noch (fast) alles retten bzw. ein lauffähiges System wiederherstellen zu können. Es hat bereits endlose Diskussionen darüber gegeben, welcher Ansatz hier besser oder vernünftiger ist, also möchte ich an dieser Stelle nicht schon wieder einen "Krieg" von Zaun brechen.

Vor Kurzem war ich mit einem interessanten, wenn auch nicht neuen, Problem konfrontiert: Obwohl angeschlossen und vom System korrekt erkannt, funktionierte die Maus am Rechner meines Bürokollegen nicht (hier stehen schon viele an, aber lasst euch etwas gesagt sein: Windows lässt sich bis heute auch ausschließlich mit der Tastatur bedienen; aber in Zeiten von Touchscreens und Mäusen... wer will da noch tippen?
). Sowohl USB- als auch PS/2-Versionen schienen im Hardwaremanager normal auf, konnten dann aber - trotz korrekt installiertem Treiber - nicht in Betrieb genommen werden (der berühmte Fehlercode "41"). Jetzt fängt das Ratespiel an: Ist der Treiber korrupt, oder vielleicht die Hardware beschädigt oder ist es doch etwas ganz anderes? Der Reihe nach: erstmal den Treiber löschen und von der Originalquelle weg neu installieren. Das klappt schon mal einwandfrei und ein kurzer Check eröffnete mir, dass jetzt auch exakt dieser Treiber verwendet wird. Die Maus funktioniert aber immer noch nicht; statt dessen ändert sich der Fehlercode: Code "19" ist jetzt aktuell (Fehler in der Registry). *seufz*

Also ab in die Registry; hier kann es jetzt nur noch an einer... nein zwei... nein drei... nein vier... (das Spiel kann noch lange so weiter gehen) Stellen liegen. Der logische Ansatz ist, zuerst einmal die Enumerierung der HID- bzw. USB-Geräte im "CurrentControlSet" durchzusehen. Hier scheint alles in Ordnung zu sein. Gut, dann sehen wir uns doch einmal die "Classes" an. Unterabschnitt "{4D36E96F-E325-11CE-BFC1-08002BE10318}" (Maus & Co.) enthüllt mir dann endlich, dass als "UpperFilters" nicht nur der Standard ("mouclass") eingetragen ist, nein, darüber befindet sich noch ein anderer - unbekannter - Eintrag. An dieser Stelle stehen normalerweise nur Programme, die - per eigenem Treiber - ebenfalls auf die Maus zugreifen müssen (lies: wollen). Antivirenprogramme tragen sich hier gerne ein, aber der Eintrag der hier steht, hat absolut nichts mit so einem Programm zu tun. Statt dessen ist es eine widerliche Browser-Toolbar, die sich unerlaubterweise hier eingenistet hat. Nachdem die Toolbar von meinem Bürokollegen deinstalliert wurde, hat sie sich zwar brav selbst gelöscht, aber der Uninstaller hat hier wohl unsauber gearbeitet und diesen kleinen, ekelhaften Eintrag hinterlassen. Das reichte dann auch schon um das System lahm zu legen (streng genommen nur die Maus, aber mein Bürokollege kann ohne Selbige nicht arbeiten).

Der Rest ist schnell erzählt: nachdem ich den überflüssigen Wert aus der Registrierung entfernt und das System neu gestartet hatte, wurde die Maus wieder perfekt erkannt und auch in Betrieb genommen.

Wie bereits Eingangs erwähnt ist die Registry Fluch und Segen zugleich. Läuft etwas im System schief, kann man hier an einer zentralen Stelle den Fehler suchen. Auf der anderen Seite muss nur ein Programm nicht nach den Regeln spielen und kann so einen ganzen Rattenschwanz an Problemen nach sich ziehen.
01.10.2012 - 16:52

Kommentare

besucher
02.10.2012, 12:22
in letzter zeit bist du echt technik lastig.
KIENI
02.10.2012, 17:42
Weil ich in letzter Zeit praktisch nur noch am Arbeiten bin. Da bleibt leider nicht viel Zeit für "normale" Erlebnisse. Aber ich werde eh' demnächst mal eine Woche "Urlaub" nehmen um wieder etwas herunter zu kommen.
stefan
11.10.2012, 20:44
Kurzum: die registry ist die dümmste erfindung überhaupt!


Lg
KIENI
12.10.2012, 11:03
Must... not... feed... troll...! Ach, was soll's, ich schluck' den Köder: man muss ganz klar "jein" sagen. Die Registry ist damals aus gutem Grund entstanden und hat sich in gewissen Bereichen mehr als bewährt. Sie gleich als "die dümmste Erfindung überhaupt" zu bezeichnen lässt mich die Gegenfrage stellen: was hättest Du zur damaligen Zeit gemacht?


In meinen Programmen nutze ich sie ausschließlich für die Installer um die Programmpfade korrekt im System anzumelden. Aber Programmeinstellungen speichere ich immer in einem entsprechenden "ini"- oder "settings"-File. Hier kann ich die Registry nicht ausstehen.
six-of-five
20.10.2012, 22:33
@stefan: hast du einen besseren Vorschlag?
@kieni: musst du sie *überhaupt* nutzen?
KIENI
22.10.2012, 15:29
@six-of-five: Alleine schon, wenn es um die Unterscheidung der Pfade auf einem 32- und/oder 64-Bit-System geht.
six-of-five
23.10.2012, 09:08
okay, die Reg sorgt also nur für einheitliche struktur. wie unter unix. aber "brauchen" würdest du sie nicht, da es ja die umgebungspfade gibt.
KIENI
23.10.2012, 17:50
Jein. Die Umgebungsvariablen befinden sich ebenfalls in der Registry. Aber für genau das ist sie ein guter Kompromiss. Diese "Pfade" sind auf allen Windows-basierten Systemen identisch (oder sollten es sein). Ein kleiner Hauch geordnetes *nix in einem ansonsten chaotischen System...